HÄNGENGEBLIEBENNº001

Fünf Songs, die diese Woche geblieben sind.

Neue Releases, alte Obsessions: Diese Woche im Durchgangszimmer.

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Manche Songs brauchen drei Durchläufe. Andere ungefähr drei Sekunden. Und manche laufen irgendwann zum zehnten Mal, obwohl man sich ziemlich sicher war, heute eigentlich etwas anderes hören zu wollen.

HÄNGENGEBLIEBEN ist der wöchentliche Rundgang durchs Durchgangszimmer: fünf Songs, die in den vergangenen Tagen irgendwie nicht wieder verschwunden sind. Neuerscheinungen dürfen rein, alte Songs genauso. Reihenfolge, Genre und Veröffentlichungsjahr spielen keine besonders große Rolle.

Diese Woche stehen fünf sehr unterschiedliche Dinge herum.

01 — KID PHENOMENON from EXILE TRIBE – Black Flame

„Black Flame“ hat diese Sorte Energie, bei der bereits nach wenigen Sekunden klar ist, dass Zurückhaltung heute keine Option sein wird.

Der Song stapelt Rhythmus, Stimmen und kleine Produktionsdetails übereinander, ohne dabei schwer zu wirken. Gerade darin liegt sein Reiz: Alles ist Bewegung. Selbst die Momente, die eigentlich nur zum nächsten Refrain führen sollen, fühlen sich an, als könnten sie jederzeit selbst zum Höhepunkt werden.

Ein Song wie eine Tür, die ein bisschen zu schwungvoll aufgerissen wird.

02 — Uffie – Poolside Goth

Schon der Titel klingt nach einer Ästhetik, die eigentlich nicht zusammengehören dürfte – und genau deshalb funktioniert.

„Poolside Goth“ ist gleichzeitig lässig und künstlich, sonnig und ein wenig kaputt. Uffie klingt dabei nicht, als müsse sie irgendjemandem noch erklären, was hier cool sein soll. Der Song weiß es längst.

Vielleicht ist das überhaupt eine der angenehmsten Eigenschaften von Popmusik: Sie darf vollkommen oberflächlich aussehen und trotzdem merkwürdig lange im Kopf wohnen bleiben.

03 — Viagra Boys – Cumboy

Hier steht jetzt etwas herum, das niemand ordentlich weggeräumt hat.

„Cumboy“ rumpelt, provoziert und hat ungefähr so viel Interesse an guten Manieren wie ein umgekippter Aschenbecher. Hinter dem ganzen Lärm steckt aber ein erstaunlich präzises Gefühl dafür, wann Wiederholung hypnotisch und wann sie einfach nur nervig wird.

Viagra Boys bewegen sich gefährlich nah an dieser Grenze.

Das macht Spaß.

04 — sakanaction – Kamen No Machi

Und plötzlich wird das Zimmer größer.

Bei sakanaction können elektronische Musik, Rock und Pop nebeneinander existieren, ohne dass ständig jemand auf die einzelnen Bestandteile zeigen muss. „Kamen No Machi“ entwickelt seinen Sog deshalb weniger durch einen einzelnen großen Moment als durch Bewegung und Atmosphäre.

Es ist einer dieser Songs, bei denen man nach dem Ende kurz merkt, dass man währenddessen gedanklich ganz woanders war.

Also noch einmal.

05 — Susumu Hirasawa – MOTHER

Nicht neu. Nicht einmal annähernd.

Aber das ist hier auch keine Voraussetzung.

„MOTHER“ besitzt diese eigentümliche Größe, die gleichzeitig feierlich, synthetisch und vollkommen entrückt wirken kann. Hirasawas Musik klingt, als käme sie aus einer Zukunft, die sich Menschen vor langer Zeit einmal vorgestellt haben.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie so schwer altert.


Fünf Songs stehen jetzt im Zimmer. Nächste Woche können sie noch da sein – oder längst wieder verschwunden.

Mal sehen, was bleibt.